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Vom schlafenden Apfel
Schattenspiel nach einem Gedicht von Robert Reinick
Diese kleine Geschichte passt besonders gut in die Herbstzeit.
Die Dauer der Vorführung und das schlichte, stimmungsvolle Bild dieser Schattenspielinszenierung sind bewusst auf Kinder im Kindergartenalter abgestimmt.
Die von Angelika Deffner und Michelle Glet ruhig geführten Schatten lassen besonders viel Raum für die kindliche Phantasie.
Inhalt:
Hoch oben im Baum hängt ein verlockender, rotbackiger Apfel.
Es wird erzählt, wie ein Kind die Sonne und einen Vogel bittet, den „schlafenden“ Apfel aufzuwecken. Erst die Bewegung des Windes bringt den Apfel schließlich dazu vom Baum und in die Schürze des Kindes zu springen.
Vom schlafenden Apfel
Im Baum im grünen Bettchen
hoch oben sich ein Apfel wiegt;
der hat so rote Bäckchen,
man sieht´s, dass er im Schlafe liegt.
Ein Kind steht unterm Baume,
das schaut und schaut und ruft hinauf:
„Ach Apfel, komm herunter!
Hör endlich doch mit Schlafen auf!“
Es hat ihn so gebeten;
Glaubt ihr, der wäre aufgewacht?
Er rührt sich nicht im Bette,
sieht aus, als ob im Schlaf er lacht.
Da kommt die liebe Sonne
Am Himmel hoch daherspaziert.
„Ach Sonne, liebe Sonne,
mach du, dass sich der Apfel rührt!“
Die Sonne spricht: „Warum nicht?“
Und wirft ihm Strahlen ins Gesicht,
küsst ihn dazu so freundlich;
der Apfel aber rührt sich nicht.
Nun schau, da kommt ein Vogel
und setzt sich auf den Baum hinauf.
„Ei, Vogel, du musst singen;
gewiss, gewiss, das weckt ihn auf!“
Der Vogel wetzt den Schnabel
und singt ein Lied so wundernett
und singt aus voller Kehle;
der Apfel rührt sich nicht im Bett.
Und wer kam nun gegangen?
Es war der wind, den kenn ich schon:
Der küsst nicht und der singt nicht;
der pfeift auf einem andern Ton.
Er stemmt in beide Seiten
die Arme, bläst die Backen auf
und bläst und bläst und richtig,
der Apfel wacht erschrocken auf.
Und springt vom Baum herunter
grad in die Schürze von dem Kind;
das hebt ihn auf und freut sich
und ruft: „Ich danke schön, Herr Wind!“
Robert Reinick
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